Lesung "Innehalten" mit Frau Fleur Sakura Wöss

01.06.2018 - 19:00 Uhr

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„Nur mehr jetzt“, „Nur mehr bis das Projekt zu Ende ist“, „Nur mehr bis die Bilanz fertiggestellt ist“, nur mehr ...“ Manche erleben das Ende des „nur mehr“ nicht mehr, weil ihr Körper sich schon vorher ins Burnout rettet.

Das heutige Leben verlangt nach Speed und Wachstum. Die Fähigkeit innezuhalten scheint verloren gegangen zu sein. Durchhalteparolen sind für viele das tägliche Mantra. Erschöpfung und Unruhe sind das Resultat. Echte Freiräume gibt es nicht mehr. Warum ist das so?

In ihrem in flüssigem, angenehm lesbaren Schreibstil geschriebenen Buch „Innehalten. Zen üben, Atem holen, Kraft schöpfen“ lenkt Fleur Sakura Wöss den Blick auf Dinge, die man bis dato so nicht wahrgenommen hat. Sie selbst war eine Hochleisterin, die in ihren Berufen immer den Platz an der Spitze angestrebt hatte. Auch sie litt unter ihren „inneren Jagdhunden“. Sie trieben sie vor sich her, sodass zwischen anspruchsvollem Beruf und dem Leben mit Mann und Kindern kein Innehalten möglich war.

Sie unterrichtete an der Universität, war Dozentenvertreterin, publizierte wissenschaftliche Abhandlungen, reiste zu Kongressen. Daheim warteten drei kleine Kinder auf sie. Sie kochte, wusch, räumte Legosteine weg, bevor sie sich bis Mitternacht wieder an den Schreibtisch setzte. Sie tanzte auf allen Hochzeiten – im scheinbar perfekten Tangoschritt.

Doch das scheinbar perfekte Leben forderte seinen Tribut. Sie fühlte sich wie eine leere Raupenhülle. Schließlich wagte sie einen radikalen Schritt und kündigte. Ein Jahr des kompletten Nichtstuns und der Neuorientierung folgten. Es wurde ihr bewusst, dass Innehalten mehr ist als nur stehen zu bleiben. Innehalten kann nicht mit dem Kopf geplant werden, es erfordert eine Sensibilität für die Rhythmen des Lebens. Rhythmen brauchen aber auch Pausen, brauchen Innehalten.

Bei der Suche nach dem Innehalten wurde ihr ein Begriff zum Wegweiser, den sie im japanischen Kulturkreis kennengelernt hatte. Das Wort „Zwischenraum“ bezeichnet im Japanischen viele verschiedene Aspekte des Raumes und der Zeit. Es kann Freiraum, Freizeit, Grauzone, Leere, Pause bedeuten. Es sind Räume und Zeiten, in denen Durchatmen möglich wird, Zeiten, die nicht definiert und zweckbesetzt sind.

Eine solche unbesetzte, leere Zeit ist die Meditation. Früher eine eher exotische Angelegenheit für „Spinner“, ist sie heute in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Acht von zehn CEO’s in Silicon Valley meditieren regelmäßig. So genannte Mindfulness-Programme in Unternehmen sind längst keine Seltenheit mehr. Die Unternehmen erkennen, dass die leere Zeit, die sich in der Meditation auftut, den Kopf der Mitarbeiter klarer macht und den Körper gelassener.

Paradoxerweise öffnet uns die Leere den Ausblick auf die Fülle des Lebens. Im Innehalten entfalten sich Kraft und Energie. Wer sich auf das Innehalten einlässt kommt zu Atem, nimmt sich Druck und erlebt, dass sich gerade im Nichtstun etwas ereignet. Innehalten und die Wendepunkte im Leben können Freiräume sein, damit Neues überhaupt erst entstehen kann.

Zur Autorin:
Dr. Fleur Sakura Wöss, geboren in Tokio, lehrte 14 Jahre lang an der Universität Wien, Zürich und der FU Berlin. Sie ist Zen-Lehrerin, Führungskräfte-Coach und schreibt den Blog: www.fleurszenblog.com

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